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WOHLFAHRTSPLAN

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage setzt sich dauerhaft dafür ein, menschliches Elend zu lindern, bei der Abschaffung lebensbedrohlicher Zustände zu helfen und die Eigenständigkeit aller Menschen zu fördern. Hilfe wird als christlicher Dienst am Nächsten gesehen, ohne Berücksichtigung von Rasse, Nationalität oder Religion. Dieser Einsatz ist eine Umsetzung eines Rats, der sich im Buch Mormon findet: „Und so ... schickten sie keinen fort, der nackt war oder der hungrig war oder der durstig war oder der krank war oder den sie nicht gestärkt hatten; und sie setzten ihr Herz nicht auf Reichtümer; darum waren sie freigebig zu allen, seien sie alt oder jung, seien sie geknechtet oder frei, seien sie männlich oder weiblich, sei es außerhalb der Kirche oder in der Kirche, und sahen bei denen, die bedürftig waren, nicht auf die Person“ [Al 1:30].

Die wohltätige Arbeit der Kirche wird durch die Spenden der Mitglieder ermöglicht, die den Rat Joseph Smiths hinsichtlich der persönlichen Verantwortung für das Wohlergehen anderer befolgen: „Wir haben keine besonderen Anweisungen dazu, ... wie viel ein Mann jährlich geben soll; er soll die Hungrigen speisen, die Nackten kleiden, für die Witwe sorgen, die Tränen des Waisen trocknen, die Bedrückten trösten, seien sie in dieser Kirche oder in einer anderen oder in gar keiner Kirche, wo auch immer er sie findet“ [T&S 3:732].

Die Kirche hat sich seit jeher dafür verantwortlich gefühlt, „sich um ihre eigenen Mitglieder zu kümmern“ (Siehe Wohlfahrtsdienste), doch sie hat auch schon immer der allgemeinen Bevölkerung in Notzeiten geholfen, sowohl in Nordamerika als auch der restlichen Welt. Bereits 1851, nur vier Jahre nach der Ankunft im Salzseetal, rief Brigham Young ein Programm ins Leben, durch das den Indianern die Landwirtschaft beigebracht werden sollte. Zu diesem Zweck ernannte er drei Männer als „Farmer für die Indianer.“ Bis 1857 waren bereits etwa drei Quadratkilometer Land von den Indianern kultiviert worden (L. J. Arrington, Brigham Young: American Moses, New York, 1985, S. 217-18).

Die Kirche hat schon in der Vergangenheit auf Katastrophen in der Welt so reagiert, wie es ihre Mittel erlaubt haben. 1918 sprach das Repräsentantenhaus der Regierung der Vereinigten Staaten den Frauen der Frauenhilfsvereinigung der Kirche offiziell seinen Dank dafür aus, dass sie „der Regierung Weizen spendeten, um den hungernden Frauen und Kindern der Alliierten und unseren Soldaten und Matrosen in der Marine und Armee der Vereinigten Staaten zu helfen“ (IE 21:917). Die Frauenhilfsvereinigung hatte  den Vereinigten Staaten über 200 000 Bushel (ca. 5500 Tonnen) „Weizen erster Wahl“ aus ihrem Kornspeicher zur Verfügung gestellt, um die Sache der menschlichen Freiheit zu unterstützen und Tausenden, die leiden mussten, weil sie kein Brot zu essen hatten, das Leben zu retten.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Europa teilweise deshalb noch ausgiebigere Hilfe gegeben werden, weil 1936 ein Plan für Wohlfahrtsdienste der Kirche ins Leben gerufen worden war. In dem Plan wurde den Mitgliedern gezeigt, wie sie sparsam und vorausschauend haushalten konnten, und sie wurden dazu aufgefordert, Geld für die Bedürftigen zu spenden, damit finanzielle Hilfe in Notfälle und bei Katastrophen gegeben werden konnte.

Präsident David O. McKay fasste die Spenden der Kirche während des Zweiten Weltkriegs auf folgende Weise zusammen: „Wir haben dem nationalen Roten Kreuz sehr große Geldbeträge gespendet, und wir gehen davon aus, dass wir dies auch zukünftig immer wieder tun können. Was die Beiträge betrifft, die an Leidende in fremden Ländern, die vom Krieg geplagt werden, ergangen sind, so haben wir beträchtliche Summen … an jene Länder gesendet, um unseren bedürftigen Mitgliedern der Kirche dort zu helfen. Wir haben auch beträchtliche Geldsummen für wohltätige Zwecke in diesen Ländern aufgebracht“ (MFP 6:163-64).

Im Rahmen der humanitären Hilfe in der Nachkriegszeit wurden z.B. zweiundneunzig Eisenbahnwaggons (ca. zweitausend Tonnen) mit Wohlfahrtsvorräten von der Kirche in in Salt Lake City nach Europa geschickt. Ezra Taft Benson, der damals im Kollegium der Zwölf Apostel war, verbrachte das Jahr 1946 in Europa, wo er die Verteilung der Vorräte beaufsichtigte , die hauptsächlich aus Lebensmitteln, Kleidung, Bedarfsgegenständen und Sanitätsartikeln bestanden. Diese Vorräte waren durch ein Programm aufgestockt worden, in dem Mitglieder der Kirche in Nordamerika zehntausende einzelner Nahrungsmittel- und Kleidungspakete verschickten. Während der Hauptzweck dieser Initiative der Kirche die Unterstützung der Mitglieder in Europa war, ergingen großzügige Mengen an Nahrungsmitteln und Kleidung an örtliche Kinderfürsorge- und Kinderversorgungsprogramme (Babbel, S.168-69).

1953 wurden in einem Programm, an dem sich alle Konfessionen in Utah beteiligten, Spenden für die Opfer von Erdbeben in Griechenland gesammelt. Das United Churches Ionian Relief Committee wurde mit Dr. J. Frank Robinson, dem Präsidenten des Westminster-College in Salt Lake City, als Vorsitzendem gegründet. Unter den Konfessionen, die sich an dem Programm beteiligten, befanden sich beispielsweise die Griechisch-Orthodoxe und die Römisch-Katholische Kirche, die jüdischen Synagogen und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. John Tzounis, der griechische Konsul in San Francisco, dankte der Kirche für ihren Einsatz mit folgenden Worten: „Es ist kein Geheimnis, doch ich freue mich über die Gelegenheit, dies öffentlich hervorzuheben: Die Spenden der Mormonen-Kirche waren der größte Beitrag, den die Unterstützungskasse erhalten hat, und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auf der ganzen Welt“ ("President McKay Given Royal Award by King of Greece," Deseret News, 4. Dez. 1954, S. 2).

1971 wurde das Missionarsprogramm für Wohlfahrtsdienste gegründet, wodurch auch über Notfallsituationen hinaus Hilfe geleistet werden konnte. Angehörige der Gesundheitsberufe, die als Missionare in verschiedene Länder berufen wurden, führen auch heute noch Schulungen in Krankenhäusern, Kliniken und örtlichen Gesundheitsorganisationen durch und bieten der allgemeinen Bevölkerung Seminare und Workshops zur Gesundheitserziehung an. 1973 wurden landwirtschaftliche Missionare in das Wohlfahrtsprogramm aufgenommen, die Landwirten in Zentral- und Südamerika, im Südpazifik und auf Indianerreservaten in den Vereinigten Staaten und Kanada technische Unterstützung geben konnten.

Die Kirche reagierte auf die Flüchtlingswelle aus Vietnam, Kambodscha und Laos in den 1970ern mit humanitärer Hilfe, die in Übereinstimmung mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) von einer Gruppe Wohlfahrts-Missionaren im Phenot-Nikom-Flüchtlingslager in Thailand gegeben wurde. Seit 1978 bis heute wird Flüchtlingen in Lagern in Thailand, den Philippinen und Hongkong, die in die USA einreisen möchten, von Missionarsgruppen Unterricht in Englisch und amerikanischer Kultur gegeben.

1980 befanden sich etwa 768 Wohlfahrtsmissionare (Freiwillige, die humanitäre Unterstützung leisteten) in über vierzig Missionsgebieten der Kirche auf der ganzen Welt. 1990 leisteten über 350 Missionare mit speziellen beruflichen Hintergründen (Krankenschwestern, Ärzte, Lehrer, Agrarspezialisten) in vielen Ländern (darunter osteuropäische Länder) Hilfe im Gesundheits- und Landwirtschaftssektor und bei der Ausbildung von Führungskräften.

Eine schwere Dürre und ein Bürgerkrieg im Nordosten Afrikas führten 1984 und 1985 zu einer Hungersnot. Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel bestimmten, „dass am Sonntag, dem 25. Januar 1985, ein besonderer Fasttag sein soll, an dem die Mitglieder dazu aufgefordert werden, zwei Mahlzeiten auszulassen und den dadurch gesparten Betrag oder mehr der Kirche spenden, um den Bedürftigen zu helfen. Alle Fastopferspenden, die an diesem Tag gemacht werden, werden für die Opfer der Hungersnot und anderer Umstände, aufgrund deren die Menschen in Afrika und möglicherweise einigen anderen Gebieten Hunger und Entbehrungen erleiden,… verwendet werden, seien sie Mitglieder der Kirche oder nicht“ (Der Brief der Ersten Präsidentschaft an die Generalautoritäten und örtlichen Autoritäten des Priestertums, 11. Jan. 1985). Durch diesen besonderen Fastsonntag wurden in den Vereinigten Staaten und Kanada von den Mitgliedern der Kirche 6,4 Millionen US-Dollar gespendet (Abteilung für Wohlfahrtsdienste, unveröffentlichtes Dokument).

Die Kirche arbeitete umgehend mit angesehenen Organisationen zusammen, um der hungernden Bevölkerung im Nordosten Afrikas Hilfe zu gewähren. Getreide, Zelte und Lastwagen für den Transport der benötigten Mittel im Wert von über 3,5 Millionen US-Dollar wurden dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und dem Katholischen Verband für soziale Dienste direkt gespendet. Weitere Spenden wurden dem Katholischen Verband für soziale Dienste, CARE und Africare für Projekte, die die langfristige Hilfe in derselben Region zum Ziel hatten, geleistet (Siehe Wirtschaftshilfe).

Weitere Gelder wurden später dem IKRK und dem Katholischen Verband für soziale Dienste zugeteilt, um benötigte  Lebensmittel an abgeschiedene Einwohner Äthiopiens und im Sudan auf dem Luftweg zu befördern, wo die Zulieferung per Lastwagen aufgrund ziviler Unruhen unmöglich war. Die gesamten 6,4 Millionen US-Dollar, die durch den ersten Fastsonntag aufgebracht worden waren, sowie die darauf angesammelten Zinsen waren bis Ende 1986 für die Hilfeleistungen in Afrika aufgebraucht worden. Durch ein zweites Fasten, das ebenfalls im Jahr 1985 in Zusammenarbeit mit einem Beschluss vom Kongress der Vereinigten Staaten gehalten wurde, (Der Brief der Ersten Präsidentschaft an die Generalautoritäten und örtlichen Autoritäten des Priestertums, 11. Jan. 1985), kamen weitere 4 Millionen US-Dollar für die Bedürftigen zusammen. Durch besondere Maßnahmen wie die oben genannten werden regelmäßige und ständige humanitäre Leistungen der Kirche erbracht. Überschüsse aus dem Wohlfahrtssystem wie z.B.  Lebensmittel, Kleidung und andere Haushaltsartikel werden regelmäßig an amerikanische und internationale Wohltätigkeitsvereine weitergegeben.

Erst kürzlich wurden von der Kirche über zwanzig Entwicklungsprojekte in Afrika (z.B. in Kenia, Simbabwe, Mosambik, der Demokratischen Republik Kongo, Tschad, Mali, der Republik Niger und Ghana) sowie weitere Projekte in Zentral- und Südamerika, Asien und den Vereinigten Staaten gesponsert.

BIBLIOGRAPHIE

Babbel, Frederick W. On Wings of Faith. Salt Lake City, 1972.

Ballard, M. Russell. "Prepare to Serve." Ensign 15 (May 1985):41-43.

Benson, Ezra T. "Ministering to Needs through the Lord's Storehouse System." Ensign 7 (May 1977):82-84.

Ferguson, Isaac C. "Freely Given." Ensign 18 (Aug. 1988):10-15.

"Food for Destitute Greeks." Deseret News (Church Section), Feb. 20, 1954, pp. 8-9.

Hinckley, Gordon B. "The Victory over Death." Ensign 15 (May 1985):51-54, 59.

Pace, Glenn L. "Principles and Programs." Ensign 16 (May 1986):23-25.

Smith, Joseph F. "Our Duty to Humanity, to God and to Country." IE 20 (May 1917):645-56.

Times and Seasons 3 (Mar. 15, 1842):732.

ISAAC C. FERGUSON