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MEXIKO UND MITTELAMERIKA, DIE KIRCHE IN MEXIKO UND MITTELAMERIKA

MEXIKO UND MITTELAMERIKA

DIE KIRCHE IN MEXIKO UND MITTELAMERIKA

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entsandte erstmals im Jahr 1875 Missionare nach Mexiko <Mexiko, Missionare ab 1875 in Mexiko>. Schon lange hatte die Kirchenführung darauf gehofft, den Nachkommen der Völker des Buches Mormon das Evangelium bringen und ihnen die heiligen Berichte ihrer Vorfahren zeigen zu können. Präsident Brigham YOUNG <Young, Brigham> überlegte sich auch, ob die Heiligen der Letzten Tage im Falle weiterer Verfolgungen seitens der amerikanischen Regierung nach Mexiko flüchten sollten. Im Jahr 1885 errichtete die Kirche im nördlichen Mexiko mehrere Siedlungen. Obwohl die Kirche in Mexiko und später auch in Mittelamerika nur sporadisch an Mitgliedern zunahm und immer wieder auf politische Schwierigkeiten stieß, begannen die beinahe hundert Jahre alten Wurzeln in den siebziger Jahren dieses Jahrhunderts reichlich Frucht zu tragen. Ende 1990 gab es dort 27 Missionen, hunderte Pfähle und Gemeinden mit ca. einer Million Mitgliedern. Sowohl in Mexico City als auch Guatemala City steht ein Tempel.

DIE ERSTEN MISSIONARE. Die ersten 1875 nach Mexiko entsandten Missionare waren Daniel W. Jones <Jones, Daniel W., Missionar in Mexiko>, dessen Sohn Wiley <Jones, Wiley, Missionar in Mexiko>, Anthony W. Ivins <Ivins, Anthony W., Missionar in Mexiko> James Z. Stewart <Stewart, James Z., Missionar in Mexiko> und Helaman Pratt <Pratt, Helaman, Missionar in Mexiko>. Ihnen war auch die Aufgabe übertragen worden, im Südwesten der USA und in Nordmexiko nach guten Siedlungsgebieten zu suchen. Obwohl sie keine Taufen zu verzeichnen hatten, fanden sie mehrere geeignete Siedlungsgebiete für die Heiligen der Letzten Tage, wobei Chihuahua in Mexiko am erfolgversprechendsten aussah.

Aus Chihuahua sandten die Missionare ein kleines Heftchen mit dem Titel Trozos Selectos del Libro de Mormon (Auszüge aus dem Buch Mormon) an prominente Bürger und Regierungsbeamte. Die Auszüge waren von Melitón González Trejo <Trejo, Meliton Gonzalez übersetzt Auszüge aus dem Buch Mormon> und Daniel W. Jones <Jones, Daniel W. Übersetzt Auszüge aus dem Buch Mormon> ins Spanische übersetzt worden. In der Zwischenzeit hatte sich eine weitere Missionarsgruppe, die im September 1876 berufen worden war, unmittelbar nach der Generalkonferenz der Kirche im Oktober auf die Reise nach Mexiko gemacht. Diese Gruppe bestand aus zwei der ursprünglichen Missionare, nämlich Stewart und Pratt, und vier neuen: Stewarts Bruder Isaac <Stewart, Isaac, Missionar in Mexiko>, George Terry <Terry, George, Missionar in Mexiko>, Louis Garff <Garff, Louis, Missionar in Mexiko> und Melitó G. Trejo <Trejo, Melito G., Missionar in Mexiko>. In Tucson, im Bundesstaat Arizona, trennten sie sich, wobei Pratt und Trejo südlich nach Hermosillo in Sonora zogen und 1877 die ersten fünf Taufen in Mexiko zu verzeichnen hatten. Die vier anderen Missionare hatten weniger Glück und wurden von kriegerischen Yaqui-Indianern <Yaqui-Indianer> aus dem Land vertrieben.

Zwei der ersten von Missionaren versandten Broschüren fielen einflußreichen Bürgern in die Hände, die sodann um weitere Information ersuchten. Dies waren Ignacio Manuel Altamirano <Altamirano, Ignacio Manuel> und Dr. Plotino Rhodakanaty <Rhodakanaty, Dr. Plotino> (oder Rhodacanaty). Dr. Rhodakanaky befaßte sich zusammen mit mehreren Freunden ausgiebig mit den Broschüren, und als Elder Moses Thatcher <Thatcher, Moses> vom Kollegium der Zwölf Apostel im November 1879 in Mexico City ankamen, ließ sich Dr. Rodakanaky gemeinsam mit seiner Studiengruppe taufen. Innerhalb einer Woche wurde von Elder Thatcher der Zweig Mexico City gegründet und Rhodakanaky als Zweigpräsident berufen. Seine Ratgeber waren Silviano Arteaga <Arteaga, Silviano> und Jose Ybarola <Ybarola, Jose>.

Am 25. Januar 1880 weihte Thatcher das Land Mexiko der Missionsarbeit. Aber da viele ursprüngliche Mitglieder die Kirche verlassen hatten, weihte er das Land und die Mission am 6. April 1881 nochmals und stand dabei am Rand des Vulkans Popocatepetl. Dies war für die indianische Bevölkerung Mexikos äußerst bedeutsam. Noch im August wurde in Ozumba, ein kleiner Ort am Fuße des Popocatepetl, der zweite Zweig der Kirche gegründet.

KOLONISTEN. Im Jahr 1885 waren die Verfolgungen der Kirche seitens der amerikanischen Regierung dermaßen schlimm geworden, daß viele Führer der Kirche sich ins Ausland absetzten, um mit ihren Mehrehefamilien dort Unterschlupf zu finden. Einige von ihnen gründeten den Ort Colonia Juárez im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua. Später wurden auch in Díaz, Dublán und Pacheco, Oaxaca, Morelos und San José (in Sonora) Siedlungen gegründet. (Siehe MEXIKO, PIONIERSIEDLUNGEN IN MEXIKO.)

Die amerikanischen Siedler litten unter den Folgen der politischen Instabilität in Mexiko. Sonora wies alle ausländischen Siedler aus und auch die Heiligen der Letzten Tage in Chihuahua wurden zeitweilig ausgesiedelt, wobei sie ihrer Ernte, ihrer Besitztümer und vereinzelt auch ihres Lebens verlustig gingen. Viele kehrten jedoch zurück, bauten ihre Siedlungen neu auf und stießen auf keine weiteren Schwierigkeiten.

DIE SCHLIESSUNG DER MISSIONEN (1889–1946). Infolge der immer schlimmer werdenden Verfolgungen im Zusammenhang mit der Polygamie wurde 1889 die Mexiko-Mission geschlossen. Apostel John Henry Smith <Smith, Apostel John Henry>, Präsident Anthony W. Ivins <Ivins, Anthony W.> und Henry Eyring <Eyring, Henry> aus dem Pfahl Juárez eröffneten sie 1901 erneut. Seit damals wird dort Missionsarbeit geleistet (allerdings mit langen Unterbrechungen wegen der Mexikanischen Revolution und der Gegenrevolution von 1910 bis 1928).

Elder Rey L. Pratt <Pratt, Rey L., Präsident der Mexiko-Mission> vom Siebzigerkollegium war von 1907 bis zu seinem Tod im Jahr 1931 Missionspräsident der Mexiko-Mission, lebte aber nicht ständig in Mexiko, da die Missionare des öfteren des Landes verwiesen wurden. Als von 1913 bis 1921 alle Missionare Mexiko verlassen mußten, übertrug Präsident Pratt der Distriktspräsidentschaft (Isaias Juárez, Abel Paez und Bernabe Parra) die Leitung der Kirche in Mexiko, die nun unter der Führung örtlicher Priestertumsträger stand. Auch von 1926 bis 1946, als die mexikanische Regierung Ausländern jede religiöse Betätigung in Mexiko untersagte, leiteten örtliche Führer die Kirche, die auch weiterhin zahlenmäßig zunahm.

VON 1946 BIS HEUTE. Durch das rasche Wachstum der Kirche und infolge des Bedarfs ihrer Mitglieder an Bildung errichtete die Kirche zwischen 1960 und 1974 in Mexiko 37 Schulen (hauptsächlich Volksschulen). Die größte und in Mexiko bekannteste Schule der Kirche ist die 1964 gegründete Universitätsvorbereitungsschule “Centro Escolar Benemerito de las Americás”.

Zwischen 1952 und 1960 wurde die Mexiko-Mission viermal geteilt. Im Dezember 1961 wurde in Mexico City der erste Pfahl mit Harold Brown <Brown, Harold> als Pfahlpräsident gegründet. Der zweite Pfahl entstand 1967 mit Agricól Lozano <Lozano, Agricol>, einem gebürtigen Mexikaner, als Pfahlpräsident. Am 9. November 1975 gründete Elder Howard W. Hunter <Hunter, Howard W. gründet 1975 elf neue Pfähle in Mexiko> vom Kollegium der Zwölf Apostel im Einzugsbereich von Mexico City elf neue Pfähle, darunter den Pfahl Mexico-City Zarahemla für die Studenten der Benemerito-Schule. Von 1976 bis 1978 wurden aus diesem Pfahl beinahe 150 Vollzeitmissionare berufen. Im Jahr 1983 gab es in Mexiko acht Missionen, 76 Pfähle und mehrere hundertausend Mitglieder. Nur in den USA gab es damals noch mehr Mitglieder der Kirche. Der Großteil der Missionare waren einheimische Mexikaner, und hunderte Mitglieder wurden an kircheneigenen Schulen ausgebildet.

DER MEXICO-CITY-TEMPEL. Am 21. März 1977 gab Präsident Spencer W. Kimball <Kimball, Spencer W.> bekannt, daß in Mexiko City ein Tempel <Mexico-City-Tempel> der Kirche gebaut würde. Dieser Tempel wurde am 2. Dezember 1983 von Präsident Gordon B. Hinckley <Hinckley, Gordon B. weiht den Tempel in Mexico City>, damals Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, geweiht. Das Äußere des Tempels war eine moderne Aufbereitung der alten Maya-Architektur, wodurch die Achtung der Kirche vor der Kultur und Geschichte Mexikos zum Ausdruck gebracht werden sollte. Harold Brown war der erste Tempelpräsident und seine Frau, Leanore Jesperson Brown <Brown Harold und Leanore, Tempelpräsident und Tempeloberin>, die erste Tempeloberin.

MITTELAMERIKA. Die Expansion der Kirche bis nach Mittelamerika ist jüngeren Datums. Die ersten Bemühungen auf dem Gebiet der Missionsarbeit gehen auf John (Juan) O’Donnal <O’Donnal, John> zurück, der in den HLT-Siedlungen Mexikos aufgewachsen war und vom US-Landwirtschaftsministerium beruflich nach Guatemala City entsandt worden war. Mehrere Jahre lang lehrte er in Guatemala neben der Arbeit das Evangelium, bis er die Kirche bat, zu den seiner Ansicht nach demütigen und aufnahmebereiten Menschen Guatemalas Missionare zu entsenden. Im Jahr 1947 wurden nach Guatemala und Costa Rica (beides damals Teil der Mexiko-Mission) vier Missionare geschickt. Am 7. September 1947 wurde in Guatemala die erste Abendmahlsversammlung abgehalten. Am 16. November 1952 wurde von Elder Spencer W. Kimball, damals Mitglied des Kollegiums der Zwölf, die Zentralamerikanische Mission gegründet und das Land dem Verkünden des Evangeliums geweiht. Am 1. August 1965 wurde die Zentralamerikanische Mission geteilt, wodurch zusätzlich die Guatemala-Mission El Salvador entstand. Im Jahr 1990 gab es in fünf mittelamerikanischen Staaten Missionen der Kirche, nämlich in Guatemala, Honduras, Panama, El Salvador und Costa Rica. In Guatemala gab es drei Missionen, und im Juli 1990 entstand in El Salvador eine weitere Mission. Im Dezember 1990 gab es in Mittelamerika 43 Pfähle der Kirche.

DER GUATEMALA-TEMPEL. Noch während der Bauarbeiten am Mexico-City-Tempel entstanden bereits die Pläne für den Bau eines Tempels in Guatemala City. Dieser Tempel wurde innerhalb dreier Jahre fertiggestellt und ein Jahr nach der Weihung des Mexico-City-Tempels im Dezember 1984 geweiht <Guatemala-Tempel>. Der Bau dieser Tempel erlaubt es Tausenden von Mitgliedern in Mexiko und Mittelamerika, regelmäßig den Tempel zu besuchen und an dessen Verordnungen in ihrer Landessprache teilzunehmen, ohne die beschwerliche Reise nach Mesa zum Arizona-Tempel <Arizona-Tempel> auf sich nehmen zu müssen, wie sie dies zuvor getan hatten.

Im April 1989 wurden anläßlich der Generalkonferenz der Kirche die ersten Generalautoritäten aus Mexiko und Mittelamerika in die Siebzigerkollegien berufen, nämlich Horacio Tenorio <Tenorio, Horacio, Siebziger aus Mexiko> aus Mexiko und Carlos H. Amado <Amado, Carlos H., Siebziger aus Guatemala> aus Guatemala. Am 6. April 1991 wurde auch Jorge A. Rojas <Rojas, Jorge A., Siebziger aus Mexiko> aus Mexiko als Siebziger berufen.

BIBLIOGRAPHIE

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Tullis, LaMond. Mormons in Mexico. Logan, Utah, 1987.

BOANERGES RUBACALVA