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KINDERHOOK PLATTEN

Im April des Jahres 1843 wurden Joseph SMITH < Smith, Joseph> einige, angeblich aus der Neuen Welt stammende Messingplatten zur Beurteilung vorgelegt. Die sechs 7x5 cm großen, glockenförmigen Messingplatten mit seltsamen Gravierungen seien angeblich in dem Ort Kinderhook im US-Bundesstaat Illinois, ungefähr hundert Kilometer südlich der Stadt NAUVOO (HC 5:372–379) entdeckt worden. Wegen seiner Behauptung, das Buch Mormon von antiken goldenen Platten übersetzt zu haben, die er im Jahr 1827 aus einem Hügel im Bundesstaat New York geborgen zu haben behauptete, wurden Joseph Smith die sogenannten Kinderhook-Platten vorgelegt.

Diese Platten riefen in Nauvoo eine ziemliche Aufregung hervor. In der Zeitung der Kirche erschienen verschiedene Artikel, es wurde ein illustriertes Flugblatt in Umlauf gebracht, und einige Heilige der Letzten Tage verbreiteten das Gerücht, Joseph Smith könne und werde die Platten übersetzen. Es ist jedoch keinerlei Übersetzung vorhanden, noch existieren Aussagen von Joseph Smith, aus denen hervorgehen könnte, daß er die Platten für echt gehalten habe. Nach seiner Ermordung im Juni 1844 fiel der Vorfall dem Vergessen anheim. Mehrere Jahrzehnte später gaben zwei der angeblichen Entdecker der Platten zu, das Ganze sei ein Jux gewesen, um Joseph Smith in Mißkredit zu bringen. Damals befand sich der Hauptsitz der Kirche jedoch bereits in Utah, und diesen seltsamen Geständnissen wurde nur wenig Beachtung geschenkt.

Im Jahr 1920 lebte das Interesse an den Kinderhook-Platten jedoch wieder auf, und zwar als die Historische Gesellschaft der Stadt Chicago ein Exemplar der angeblich echten Kinderhook-Platten erwarb, die man später verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen unterzog, deren Ergebnisse jedoch nur wenig Aussagekraft hatten. Im Jahr 1980 erteilte die Historische Gesellschaft ihre Zustimmung zu weiteren, gründlicheren Untersuchungen, die an der Northwestern University durchgeführt wurden. Scanner-Untersuchungen mittels Elektronenmikroskop, Mikrobohrungen und Röntgen-Fluoreszenzanalysen erbrachten sodann den schlüssigen Beweis, daß es sich bei der Platte tatsächlich um eine der sechs Kinderhook-Platten handelte, daß der Text geätzt und nicht eingraviert worden war, und daß sie aus dem neunzehnten Jahrhundert stammte. Es besteht also keinerlei Veranlassung, die Kinderhook-Platten für mehr als einen schlechten Scherz aus dem neunzehnten Jahrhundert zu halten.

BIBLIOGRAPHIE

Kimball, Stanley B. “Kinderhook Plates Brought to Joseph Smith Appear to be a Nineteenth-Century Hoax.” Ensign 11, Aug. 1981, S. 66–74.

Ricks, Welby W. “The Kinderhook Plates.” Improvement Era 65, Sept. 1962, S. 636–637, 656, 658, 660.

STANLEY B. KIMBALL