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BUCH MORMON, ÜBERSETZUNG DURCH JOSEPH SMITH

Seiner Behauptung nach ist das Buch Mormon eine Übersetzung von Aufzeichnungen, die voralters gemacht worden waren; jedoch hatte Joseph Smith keinerlei Kenntnisse von Fremdsprachen, als er jene Gravierungen aus alter Zeit an seinen Schreiber diktierte.  Er und einige seiner engsten Mitarbeiter bezeugten, dass die Übersetzung durch „die Gabe und Macht Gottes“ bewirkt worden war (History of the Church 1:315; Siehe auch LuB 1:29; 20:8). 

Nur wenig ist vom Übersetzungsverfahren bekannt.  Ein paar Details lassen sich durch Bemerkungen Josephs an seine Schreiber und Mitarbeiter ermitteln.  Aber letztendlich wusste nur Joseph Smith vom tatsächlichen Vorgang, machte ihn aber nicht öffentlich bekannt. Während der Kirchenkonferenz im Jahre1831 lud Hyrum Smith seinen jüngeren Bruder dazu ein, Näheres über dieses Verfahren zu erklären.  Der Prophet erwiderte, „es ist nicht die Absicht, der Welt alle Einzelheiten des Hervorbringen des Buches Mormon zu vermitteln; und ... es nicht vonnöten davon zu berichten“ (History of the Church 1:220). 

Andererseits, weiß man Vieles im Hinblick auf das Wo und Wann der Übersetzung. Die historischen Tatsachen sind durch verschiedene unabhängige Zeugen erster Hand dokumentiert worden. Frühmorgens am 22. September 1827 entnahm Joseph Smith die goldenen Tafeln dem im Bundesstaat befindlichen Hügel Cumorah. Um ortstypischen  Belästigungen und Pöbeleien zu entgehen, siedelte Joseph Dezember 1827 nach Harmony, Bundesstaat Pennsylvanien, um. Dort kopierte und übersetzte er einige auf den Tafeln verzeichnete Schriftzeichen; seine Frau Emma und ihr Bruder Reuben Hales dienten als Schreiber.  Selbst 1856 erinnerte sich Emma noch daran, wie Joseph Wort für Wort an sie übersetzte, wie er Namen an sie buchstabierte, und wie er ihre, beim Schreiben entstandenen Fehler, behob ohne ihr Geschriebenes gesehen zu haben.  Als er zu einem gegebenen Zeitpunkt mal wieder übersetzte, überraschte es ihn zu erfahren, dass Jerusalem von einer Mauer umringt war (E. C. Briggs, „Interview with David Whitmer,“ Saints’ Herald 31 [June 21, 1884]:396-97).  In einem späteren Gespräch wurde Emma gefragt, ob Joseph während seines Diktierens vielleicht aus einem Buch oder aus Notizen etwas hätte ablesen können.  Emma antwortete, „Er hatte weder das Eine noch das Andere,“ und als man dringender auf sie einredete fügte sie hinzu, „Hätte er etwas gehabt, er hätte es mir nicht verbergen können“ (Saints’ Herald 26 [Oct. 1, 1879]:290). 

Martin Harris kam im Februar 1828 in Harmony an und nahm kurz danach eine Abschrift und Übersetzung gewisser Schriftzeichen nach New York City, wo er sie Charles Anthon, Professor des Columbia College, unterbreitete (Siehe Das Anthon Transkript).  Völlig zufrieden, dass Joseph die Wahrheit gesprochen hatte, kehrte er nach Harmony wieder zurück und fungierte dort vom 12. April bis zum 14. Juni 1828 als Josephs Schreiber; Joseph übersetzte zur Zeit das Buch Lehi, welches Teilbestand des Buches Mormon ist. 

Am 15. Juni 1828 wurde Emma und Joseph ihr erster Sohn geboren, der aber schon nach wenigen Stunden starb.  Ungefähr einen Monat später, so gegen den 15. Juli, erfuhr Joseph, dass Martin Harris, die bis dahin übersetzten 116 Seiten verloren hatte (Siehe Manuskript, 116 verlorene Seiten).  Nachdem Joseph vom Herrn getadelt aber auch ermutigt worden war, dass des Herren Werk vorangehen würde, nahm der Engel Moroni demzufolge von den Tafeln und dem Übersetzermittel (Urim und Tummim) wieder vorübergehend Besitz (LuB 3:15-16). 

Am 22. September 1828 wurden die Tafeln und die Übersetzer an Joseph Smith wieder zurückgegeben und im darauffolgenden Winter übersetzte er „noch ein paar Seiten“ (LuB 5:30).  Aber die Arbeit machte nur wenig Fortschritt bis der Schullehrerr Oliver Cowdery, der den Herrn und die Tafeln in einer Vision (PWJS, 8) gesehen hatte, am 15. April 1829 in Harmony ankam und Joseph anbot sein Schreiber zu sein.  Demgemäß wurde praktisch der ganze englische Text des Buches Mormon zwischen dem 7. April und der letzten Woche im Juni gleichen Jahres übersetzt, d.h. in weniger als sechzig Arbeitstagen.  

Das Diktieren verlief von da ab fast reibungslos. Aus den hinterbliebenen Überresten des ursprünglichen Manuskripts erkennt man das Joseph ungefähr 12 Worte auf einmal diktierte.  Und, bevor man weitermachte, gab Oliver die gleichen Worte an Joseph als Nachprüfung zurück.  Emma erläuterte später, dass nach einer Mahlzeit oder Nachtruhe Joseph ohne Antrieb dort wieder  anfing, wo er zuletzt aufgehört hatte (The Saints’ Herald 26 [Oct. 1, 1879]:290.  Zeit für Recherchen, Überkreuzprüfungen oder nochmaliges Schreiben wurde nie verwendet.  Oliver Cowdery schrieb 1834: „Das waren unvergessliche Tage – dazusitzen und einer Stimme lauschen zu dürfen, die unter der Eingebung des Himmels sprach, das erweckte in meinem Herzen tiefste Dankbarkeit!  Tag für Tag, ohne Unterbrechung, schrieb ich immerfort nieder, was aus seinem Mund kam“ (Messenger and Advocate 1 [Oct. 1834]:14).

Im April, Mai und Juni 1829 kam es zu vielen Ereignissen, die mit dem Übersetzen des Buches Mormon parallel liefen, wie z. B. der Übersetzungsabschluss vom Wirken Christi im 3. Nephi, an dem bis zum 15. Mai gearbeitet worden war. Dieser Text erläutert klar und deutlich die unbedingte Notwendigkeit der Taufe, und dass sie nur durch jemand mit der richtigen Vollmacht vollzogen werden darf. Es war jene Anordnung, die Joseph Smith und Oliver Cowdery inspirierte darüber zu beten, ein Entschluss, der am 15. Mai zur Wiederherstellung des Aaronischen und kurz danach zur Wiederherstellung des Melchizedekischen Priestertums führte (JSLg 1:68-74; Siehe auch Aaronisches Priestertum; Wiederherstellung; Melchizedekisches Priestertum: Wiederherstellung des Melchizedekischen Priestertums).

Auch benötigte man Zeit, um nach Colesville, New York (eine Entfernung von 48 km) zu reisen, um dort Gelder für Vorrat und Papier zu erwerben. Am 11. Juni 1829 sicherte man das federale Urheberrecht für das Buch Mormon, Samuel und Hyrum Smith wurden getauft, das Evangelium an weitere Interessenten gepredigt und Anfang Juni trat man die über 160 km lange Reise zur Peter Whitmer Farm, die sich in Fayette, im Bundesstaat New York, befindet, mit einem primitiven Pferdewagen an. Hier wurden die letzten 150 Seiten übersetzt, wobei einige Mitglieder der FamilieWhitmer Joseph als Schreiber dienten.  Noch vor Ende Juni wurde das Werk beendet und danach wurde es zunächst drei, später acht nachträglichen Zeugen gestattet die Tafeln zu sehen (Siehe Die Zeugen des Buches Mormon). 

Vieles deutet darauf hin, dass Joseph und Oliver ihr Werk mit der Rede König Benjamins im April 1829 begonnen hatten (Mosia 1-6), dann weiter übersetzten, und im Mai den Schluss des Buches Moroni erreichten.  Noch vor Ende Juni übersetzten sie ferner die Titelseite und zu allerletzt die kleineren Tafeln Nephis (1 Nephi-Omni) und die Worte Mormons (Welch and Rathbone).  Der Text der Titelseite, das „letzte Blatt“ der Tafeln Mormons (History of the Church 1:71), ist eine Beschreibung, und wurde auf das Urheberformular, welches am 11. Juni 1829 eingereicht wurde, übertragen. 

Viele Faktoren, wie Einsichten göttlicher Erkenntnis, Josephs eigene geistige Bemühungen und sein persönlicher Sprachschatz, spielten offensichtlich eine Rolle beim erstellen des englischen Textes des Buches Mormon. Einige Schreiber unterstrichen das Göttliche.  Zum Beispiel, Jahre später deutete David Whitmer an, wie Worte auf einem pergament-ähnlichem Stück Material auftauchten und Joseph sie seinem Schreiber vorlas (An Address to All Believers in Christ, 1887, 12).  Weitere Belege verdeutlichen, dass menschliche Anstrengungen auch eine Rolle spielten.  Als Oliver Cowdery im April 1829 selber versuchte etwas zu übersetzen, unterwies ihn der Herr: „ Du mußt es mit deinem Verstand durcharbeiten; dann mußt du mich fragen, ob es recht ist“ (LuB 9:8)  Den Aussagen David Whitmers nach war Joseph Smith nicht im Stande etwas zu übersetzen wenn er nicht demütig und treu war.  Eines morgens stimmte etwas bei ihm zu Hause nicht; demzufolge konnte Joseph keine einzige Sylbe übersetzen, bis er in seinen Obstgarten gegangen war, dort gebetet hatte, und er und seine Frau Emma sich wieder miteinander versöhnt hatten (History of the Church 1:131).  Dem Fortschritt entsprechend steigerten sich anscheinend Josephs Übersetzungsfähigkeiten. 

Die meisten Berichte bekunden, dass Joseph bei seinem Werk die “nephitischen Übersetzer” oder, wenn zweckmäßiger, „Sehersteine“ benutzte (CHC 1:128-30). Beide Mittel wurden von Zeit zu Zeit von anderen einfach als Urim und Tummim bezeichnet. 1830 soll Oliver Cowdery vor einem öffenlichen Gericht bezeugt haben, dass diese Hilfsmittel Joseph befähigten, „die auf Tafeln eingravierten reformiert-ägyptischen Schriftzeichen lesen zu können (Benton, Evangelical Magazine and Gospel Advocate 2 [Apr. 9, 1831:15]).  Bei einem Gespräch mit William Smith gab dieser 1891 zu erkennen, als sein Bruder Joseph diese „Übersetzer“ benutzte (Sie waren in einem silber-aussehenden Bogen befestigt, der so gedrillt worden war, dass er wie eine Acht aussah. Die beiden Steine waren zu Seiten des mittleren Rahmenteiles befestigt worden, und das Ganze war via eines Stäbchens mit einem Brustschild verbunden.), er die Tafeln ungehindert mit seinen Händen hantieren konnte. Weitere spätverfasste Berichte deuten auf zusätzliche Details, aber sie können historisch weder bestätigt noch aberkannt werden.   

In Bezug auf das Wesen der englischen Übersetzung ist die Sprache unmissverständlich und unkompliziert.  Joseph sagte einmal, dass das Buch, „der eigenen Sprache nach übersetzt worden war“  (TPJS, 17; vgl. LuB 1:24).  Diesem Hinweis gemäß meinte er – und das aus guten und sinnvollen Gründen – dass diese Sprache der Ausdrucksweise der derzeitigen King James Bibel folgen würde (CWHN 8:212-16; Welch, 1990, pp. 134-63).  Auch sicherte es zu, dass das Manuskript menschliche Schreibfehler und kuriose grammatische Formulierungen beinhalten würde.  Das würde dafür sprechen,  wenn der Text in einem anderen Jahrzehnt übersetzt worden wäre, es hätte sein können, dass die Redewendungen und das Wortgut unterschiedlicher gewesen wären. 

Indizienbeweise innerhalb des englischen Textes sprechen dafür, dass die Übersetzung ziemlich genau war. Zum Beispiel, die unabhängige und gleichlautende Übersetzung des 1. Nephi 1:8 und Alma 36:22 – welche 21 Wörter Lehis genaustens im 1. Nephi 1:8 zitiert – ist typisch für die interne Exaktheit, die man diesem langen und komplizierten Bericht zuschreiben sollte.  Außerdem bekräftigen verschiedene Wortformulierungen, Hebräismen, stylistische Hinweise auf eine Mehrzahl von Verfassern im Buch Mormon, eine Vielfalt von Parellalismen und erweiterte Chiasmen (Siehe Autorenschaft im Buch Mormon; Literatur im Buch Mormon), sowohl wie gewisse echt-semitische Namen und Varianten im Text, die in der King James Bibel nicht vorzufinden sind, die Behauptung, dass die Übersetzung wahrheitsgetreu auf einem zugrundeliegendem Text beruht.  

Natürlich ist es fast unmöglich einen ganzen Bedeutungsbereich wortwörtlich und präzise von einer Sprache in die andere zu übersetzen, was, selbstverständlicher Weise, zu Meinungsverschiedenheiten betreffs des Wesens der Übereinstimmung zwischen den alten Aufzeichnungen und der englischen Übersetzung geführt hat. David Whitmer soll gesagt haben, dass „ein einziges Schriftzeichen zwei Reihen im Manuskript ausmachte, während andere nur ein oder zwei Wörter lang waren“ (Deseret News, Nov. 10, 1881).  Nichtsdestoweniger, die linguistische Beziehung zwischen der englischen Übersetzung und den Schriftzeichen der Tafeln kann letztendlich nicht ohne einen Vergleich mit dem nephitischen Urtext bestimmt werden.  Dieser Urtext wurde allerdings1829 an den Engel Moroni zurückgereicht (Siehe Moroni, die Erscheinungen des). 

BIBLIOGRAPHIE

Roberts, B. H. "Translation of the Book of Mormon." IE 9 (Apr. 1906):706-136.

Ricks, Stephen D. "Joseph Smith's Means and Methods of Translating the Book of Mormon." F.A.R.M.S. Paper. Provo, Utah, 1984.

Welch, John W. "How Long Did It Take Joseph Smith to Translate the Book of Mormon?" Ensign 18 (Jan. 1988):46.

Welch, John W. The Sermon at the Temple and the Sermon on the Mount, pp. 130-63. Salt Lake City, 1990.

Welch, John W., and Tim Rathbone. "The Translation of the Book of Mormon: Basic Historical Information." F.A.R.M.S. Paper. Provo, Utah, 1986.

JOHN W. WELCH

TIM RATHBONE